Glaube & Macht - Sachsen im Europa der Reformationszeit 2. Sächsische Landesausstellung 2003, Torgau, Schloss Hartenfels
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Sächsische Zeitung vom 10. Januar 2003

Unerschütterlicher Glaube
an die Macht der Kunst

2. Landesschau widmet sich der Reformation in Sachsen

Von Birgit Grimm
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, und die sind manchmal ungewollt lang. 2003 sollte das Jahr der 2. Sächsischen Landesausstellung sein. Torgau als Gastgeberstadt und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als Ausrichter hatten die Vorbereitungen fest im Griff, bis die Flut alles veränderte. Als der neue Termin der Schau – 24. Mai bis 10. Oktober 2004 – bekannt gegeben wurde, da stand längst die Konzeption, waren Leihanfragen in neun Länder dieser Welt geschickt und positiv beschieden worden. Der Wendelstein des Torgauer Schlosses war spektakulär saniert. Sogar die Klimaanlage im Albrechtsflügel hatte den Probelauf bestanden. Doch die Kunstsammlungen und besonders die Gemäldegalerie Alte Meister sind mit Flutschäden konfrontiert, die die Arbeit im eignen Haus erschweren und die Restaurierungswerkstätten mit ungeplanten, dringenden Aufgaben überhäufen.

Prado erhält Gemälde von Jan Vermeer als Leihgabe

In der 2. Sächsischen Landesausstellung geht es um „Glaube und Macht“, es geht um „Sachsen im Europa der Reformationszeit“, und es geht um das zauberhafte Städtchen Torgau, kursächsische Residenz und wichtigster Schauplatz der Reformation in Sachsen, wo Martin Luther 1544 mit einer Predigt die Schlosskapelle als ersten protestantischen Kirchenbau weihte. Und es geht um die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts, um ein entscheidendes Kapitel europäischer Geschichte.

Auf das er die Historie mit großartigen Kunstwerken zum Leben erwecke und damit mindestens so viele Besucher nach Torgau locke wie die 1. Landesschau nach Panschwitz-Kuckau, hat man den Direktor der Dresdener Gemäldegalerie Alte Meister zum „Ausstellungskommissar“ ernannt. Prof. Harald Marx wird aus der Dresdener Galerie wichtige Bilder von Cranach, Dürer und Tizian nach Torgau bringen und kostbare Leihgaben zusammenholen.

Die Terminverschiebung ändert nichts am Konzept und kaum etwas an den 500 Exponaten. Zwar muss Marx auf ein Portrait Kaiser Maximilians I. aus dem Deutschen Historischen Museum Berlin verzichten. Aber die Berliner Gemäldegalerie hat der Landesschau jetzt, da Dresden 140 Alte Meister im Alten Museum präsentiert, das Bildnis Friedrich des Weisen von Albrecht Dürer zugesichert. Bis Mai 2004 wollen die Restauratoren den Kurfürsten für die Reise präparieren. Aus Madrid kommt Lukas Cranachs „Jagd zu Ehren Kaiser Karl V. beim Schloss zu Torgau“. Das Bild hat den Prado seit den 1930er Jahren nicht verlassen. Es demonstriert die Eintracht zwischen Kaiser Karl V. und Johann Friedrich dem Großmütigen vor Hartenfels im Hintergrund ist ein wichtiges Zeugnis der politischen Kämpfe im 16. Jahrhundert. 1544 noch gemeinsam bei der Jagd, bekämpfte der Kaiser den Kurfürsten bereits die Jahre später im Schmalkaldischen Krieg und besiegte ihn in der Schlacht bei Mühlberg. Als Gegengabe erhält das Prado–Museum leihweise Jan Vermeers „Brieflesendes Mädchen“. Dieses Gemälde hatte Harald Marx in Dresden behalten als 1995/96 eine spektakuläre Schau in Washington und Den Haag zwei Drittel der Werke des berühmten Niederländers zusammenführte.

Die 2. Landesschau ist eben ein Prestigeprojekt. Der Freistaat bewilligte knapp drei Millionen Euro. Straßen werden extra ausgebaut, und mit Hilfe der Ostdeutschen Sparkassenstiftung reisen 1000 Schulklassen nach Torgau.

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